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Schulen in Epfenbach - früher und heute
(Nach einem Beitrag von Rektor a.D. Heinz Funk)

Über die Entwicklung des Schulwesens in unserem Dorf liegen erst aus der nachreformatorischen Zeit genauere Daten und Berichte vor.

Die Schulverhältnisse

Bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts stand das Schulwesen - auch in Epfenbach - unter der Aufsicht der Kirche und wurde auch noch weit später stark kirchlich beeinflusst. Die Epfenbacher Schulkosten und auch die spärliche Besoldung der Lehrer wurden mit den Einnahmen des Pfarr- und Schulzehnten, den Erlösen aus Gütern und Liegenschaften der religiösen Gemeinschaften des Dorfes und mit Naturalien bestritten.

Ohne "Nebenbeschäftigungen" hätten die Lehrer damals am Hungertuch nagen müssen. So betrieben sie auf den "Schuläckern" nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Von einem Schulmeister wird berichtet, dass er noch das Amt des Glöckners versah. Andere waren "Lehrer und Waldschütz", Gerichts- und Ratsschreiber, Rentmeister und Feldrichter. Auch die teilweise Besoldung der Lehrer durch den Staat (ab 1823) und die Übernahme in den Staatsdienst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts änderten an diesem Zustand nur wenig. Erst nach dem ersten Weltkrieg traten langsam bessere Verhältnisse ein.

Die "alten" Epfenbacher Schulhäuser

Nach einer Urkunde von 1770 gab es zu damaliger Zeit in Epfenbach drei Schulen:
eine reformierte, eine lutherische und eine katholische.

Das reformierte Schulhaus war ein Bauernhaus, das die reformierte Gemeinde 1731 erworben und als Schule eingerichtet hatte. Es stand auf dem Platz des heutigen Rathauses und wurde 1839 abgerissen. An seiner Stelle wurde 1845 das "alte" (also das dritte) Epfenbacher Rathaus errichtet.

Das ehemalige lutherische Schulhaus ist heute noch (wenn auch umgebaut) erhalten. Als nach langwierigen Verhandlungen die reformierte und lutherische Gemeinde im Jahre 1823 zur evangelisch-protestantischen Gemeinde vereinigt wurde, fand der Unterricht für nun alle evangelischen Schüler im reformierten Schulhaus statt. Das lutherische Schulhaus wurde überflüssig und ging 1823 in Privatbesitz über.

Das reformierte Schulhaus wurde im Lauf der Jahre für die evangelischen Schüler zu klein, daher errichtete man im Jahre 1838 das "evangelische Schulhaus" in der Hauptstraße.

Die Epfenbacher katholischen Schüler erhielten nach der Reformationszeit in "Schulstuben" Unterricht, die sich in den Rathäusern befanden und zwar zunächst im ältesten (ersten) Epfenbacher Rathaus, das auf dem Platz der heutigen Marienkapelle stand und 1742 abgerissen wurde, und später im zweiten Epfenbacher Rathaus, das zwischen evangelischer Kirche und Zehntscheuer stand und 1848 der Spitzhacke zum Opfer fiel.

1845 wurde mit dem Bau des heute noch erhaltenen katholischen Schulhauses in der heutigen "Anlage" begonnen (Bild rechts).

Auf dem Dach des Schulhauses von 1910 kann man einen (Glocken-?)Turm erkennen

Im Jahre 1876 wurde in Epfenbach die christliche Gemeinschaftsschule (Simultanschule) eingeführt. Die Schüler beider Konfessionen erhielten nun - mit Ausnahme des Faches Religion - gemeinsam Unterricht. Dieser fand im evangelischen und katholischen Schulhaus statt, bis im Jahr 1910 das "neue" Schulhaus im Eschelbronner Weg mit vier Schulsälen fertig gestellt und bezogen wurde.


Im Zuge der Durchführung des Gesetzes zur Vereinheitlichung und Ordnung des Schulwesens wurde in den Jahren 1965/66 in Baden-Württemberg die Hauptschule eingeführt. Die Schüler mussten nun neun Jahre lang die Schule besuchen. Aufgrund der zentralen Lage der Gemeinde Epfenbach, seiner Schülerzahlen und geschickter Verhandlungen der Gemeinde mit den zuständigen Behörden, wurde Epfenbach ab Dezember 1966 Sitz eines Hauptschulverbandes, zu dem auch die Gemeinden Reichartshausen und Spechbach gehören. Durch die Erhebung der ehemaligen Volksschule zur Grund- und Hauptschule Epfenbach stieg die Schülerzahl sprunghaft auf 434 an. Das "neue Schulhaus" (heute AWO-Erholungsheim) in der Eschelbronner Straße platzte dadurch bald aus allen Nähten.

Die Gemeinde Epfenbach betrieb aufgrund dieser Verhältnisse den Bau einer neuen Schulanlage mit einer Turnhalle, einem Hallenbad und einem großräumigen Sportgelände. Im September 1971 konnte die neue Schule bereits von Schülern und Lehrern mit großer Freude bezogen werden. Sie hat 2003 den Namen "Merian-Schule" erhalten.