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Die Geschichte der Epfenbacher Kirchen - die Katholische Seite
1. Die Zeit vor der Reformation
2. Die Reformation
3. Nach der Reformation: die alte Katholische Kirche

4. Die neue Katholische Kirche

1. Die Zeit vor der Reformation

Die älteste Kirche in Epfenbach war "Johannes dem Täufer" geweiht. Sie wird urkundlich am 9. Februar 1338 zum erstenmal erwähnt. Sie stand mitten im Dorf auf einem Hügel (der bis zum Abbruch dieser Kirche im Jahre 1833 etwa doppelt so hoch wie heute war) in der Mitte der ehemaligen "Schulzenfeste". Diese ist auf eine uralte Bebauung des Hügels mit einer burgähnlichen Befestigung mit zwei Umfassungsmauern in die Frühzeit der Dorfgeschichte zurückzuführen. Die im Dorf übliche Bezeichnung "Kirchenbuckel" dürfte aus dieser Zeit stammen.

Schulzenfeste
Sah so die "Schulzenfeste" aus?

Das Besondere an dieser Kirche war ihr festungsartiges Aussehen. Eine hohe äußere Ringmauer und eine stärkere innere Mauer, Zwinger genannt, umschlossen die Kirche. Zwischen Zwinger und Kirche lag der Kirchhof (Friedhof). Es ist weiter vermerkt, dass das Langhaus der alten Johanneskirche erst in viel späterer Zeit entstanden sein muss als die Schulzenfeste, die in Urkunden wiederholt "Fortifikation" (Befestigungsanlage) genannt wird.
Bis vor einigen Jahren hatte in Epfenbach niemand mehr eine richtige Vorstellung von dem Aussehen dieser Kirche. Zu Beginn des Jahres 1975 fand sich dann im Landesvermessungsamt Karlsruhe unter den Zeichnungen "Trigonometrische Hochpunkte" eine Bleistiftzeichnung, die uns ein genaues Abbild dieser im Frühjahr 1833 abgebrochenen "Chorturmkirche" überliefert.

Alte Johanneskirche
Zeichnung der Chorturmkirche 1832

Die am 15. 6. 1832 gefertigte Zeichnung zeigt die Kirche von Südosten her. Der Turm hatte oben auf jeder Seite gekuppelte Arkaden als Schallöffnungen, wie es an romanischen Kirchtürmen üblich war. Das kleine Seitenfenster oben im Turm gehörte wahrscheinlich zur Turmwächterstube. Der Turm ist also spätestens um 1250 erbaut worden, bevor der gotische Baustil sich durchsetzte. Um welche Zeit das Langhaus gebaut worden ist, kann nicht genau gesagt werden. Sicher ist nur, daß die Südwand desselben wegen ihres schlechten Bauzustandes im Jahre 1730 abgebrochen und erneuert werden musste.
Der Seitenaltar der "Johanneskirche" war den Heiligen Frauen Maria und Magdalena gewidmet. Damals versahen zwei Geistliche den Seelsorgedienst, ein Pfarrer und ein sogenannter "Frühmesser". Jeder dieser Geistlichen besaß ein eigenes Haus und die dazugehörige Pfründe, die aus dem "kleinen Pfarrzehnten" bestand. Gemäß einem damaligen Bericht standen den Geistlichen noch 7 Kirchengeschworene zur Seite, was den heutigen Stiftungs- und Pfarrgemeinderäten entspricht.


2. Die Reformation

In der Zeit vor der Reformation der christlichen Kirche war die Epfenbacher Bevölkerung, wie überall im Bereich des Christentums, katholisch (= allgemein christlich). Die Epfenbacher Christen gehörten in kirchlicher Beziehung zu Spechbach, und Spechbach gehörte zum freien Besitz der Herren von Venningen, einem ursprünglich pfälzischen Geschlecht. Deren Wahrzeichen, die gekreuzten Lilien, ziert heute noch das Spechbacher Dorfwappen.

Da die Grafen von Venningen als "Faut" (Vogt, Schutzherr) des Ortes, mit Sitz in Neidenstein, sich schon bald der von Luther (Calvin, Zwingli) verkündeten Lehre zuwandten, mussten auch die Spechbacher und Epfenbacher Untertanen sie annehmen. Bei der Ausbreitung der neuen Lehre hielt es der Kurfürst Otto Heinrich von Alzey für notwendig und dringlich, im Jahre 1576 eine reformierte evangelische Kirchenordnung für die ganze Kurpfalz, d. h. eine genaue Anweisung zur Umgestaltung des bisherigen katholischen Gottesdienstes auf die neue Lehre zu erlassen. Und seitdem bestand in unserem Heimatgebiet der lutherische und reformierte Gottesdienst.

Mit einem Dachreiter
Marienkapelle im Jahr 2004

3. Nach der Reformation: die Marienkapelle (alte Katholische Kirche)

Die katholische Gemeinde hatte nach der Reformation kein eigenes Gotteshaus, ihr wurde aber die "große Ratsstube" als Versammlungsraum im Rathaus überlassen, sie wurde zur Abhaltung des Gottesdienstes in 14-tägigem Abstand benutzt. Später wurde das Rathaus von der katholischen Gemeinde käuflich erworben und an dieser Stelle die Marienkapelle erbaut. Darüber wird hier im "Ortsrundgang" ausführlich bei "Marienkapelle" berichtet.

4. Die neue Katholische Kirche

Neue Johannes-Kirche
Die neue Johannes-Kirche

Im 20. Jahrhundert reichte dann die kleine Kirche in der Ortsmitte für die inzwischen ca. 900 Katholiken nicht mehr aus. So wurde der Bau einer neuen Kirche auf dem Gewann "Knappenjockel", einem hoch gelegenen Platz im April 1962 begonnen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 5. August. In den Grundstein wurden in einem Kupferbehältnis eine Urkunde aus Pergamentpapier, Tageszeitungen, Kirchenblätter und Münzen eingelegt.
Der Grundriss der Kirche besteht aus einem langgestrecktem Sechseck. Die Länge beträgt 33 Meter, die größte Breite 24 Meter und die Giebelfront 14 Meter. Die innere Lichte des Raumes hat in der Mitte 12 Meter und ist nach außen abgeschleppt, an der tiefsten Stelle bis auf ca. 4 Meter. Der First der mit Naturschiefer gedeckten Kirche liegt auf 16 Metern Höhe, die Dachneigung beträgt 45° und hat - durch die Schrägstellung der in Naturstein ausgeführten Umfassungswände - fallende Traufen. Daneben ist der freistehende, achteckige Glockenturm erstellt worden, dessen Schaft 15 Meter hohe Natursteinwände aufweist und eine 25 Meter hohe mit Naturschiefer gedeckte achtseitige Pyramide als Turmhelm trägt. Die Spitze zieren eine vergoldete kupferne Kugel und ein Wetterhahn.

Am l. November 1963 konnte die Benediktion der Kirche erfolgen. Von diesem Tag an wurden die heiligen Messen in dieser neuen Kirche gefeiert.

Fünf neue Glocken wurden von der Glockengießerei F. W. Schilling in Heidelberg im Jahr 1966 hergestellt. Sie läuten zusammen mit der kleinen Glocke, die aus der Marienkapelle übernommen wurde, an den Wochenenden - und an den hohen kirchlichen Festtagen - im harmonischen Klang mit den 3 Glocken der evangelischen Kirche den Sonntag ein.

Am 21. August 1966 konnte die ebenfalls "Johannes dem Täufer" geweihte Kirche konsekriert (geweiht) werden. Das Innere schmückt ein von der Künstlerin Klara Kreß aus Karlsruhe gefertigter dreiteiliger Wandteppich.

In der neuen Kirche fehlte noch die Orgel. Sie wurde durch die Firma Steinmeyer in Öttingen/Bayern gefertigt; am 3. Adventsonntag 1981 erfolgte die feierliche Orgelweihe. Der Organist der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg, Herr Peter Schumann, "hat die Orgel meisterhaft gespielt und das neue Orgelwerk den Gläubigen aufs beste vorgestellt". Seit dieser Zeit finden häufig Orgelkonzerte und andere musikalische Darbietungen, insbesondere zur Weihnachtszeit, statt.